Halfbike Pro: Stehend fahren, ernsthaft schwitzen – und trotzdem grinsen

Es gibt Produkte, die man einmal sieht und sofort vergessen hat. Das Halfbike Pro gehört definitiv nicht dazu. Das bulgarische Steh-Dreirad polarisiert seit Jahren – und mit der Pro-Version hat Hersteller Kolelinia das Konzept konsequent weiterentwickelt.

Was ist das eigentlich?
Das Halfbike ist ein dreirädriges Tretfahrzeug ohne Sattel: ein großes Vorderrad, zwei kleine Hinterräder, ein fester Lenker aus Aluminium. Man fährt ausschließlich im Stehen, lenkt per Gewichtsverlagerung und tritt in die Pedale wie auf einem klassischen Fahrrad – nur dass hier Gleichgewicht, Kern und Koordination permanent gefordert sind. Die Erfinder Mihail Klenov und Martin Angelov, beide Architekten aus Sofia, brachten das Konzept 2014 auf Kickstarter, wo sie binnen kurzer Zeit über eine Million Dollar einsammelten. Mit dem Halfbike 3 wurde das Chassis kompakter, die Geometrie überarbeitet und eine Trommelbremse im Vorderrad integriert. Das Halfbike Pro ist die aktuelle Topvariante: größeres 20-Zoll-Vorderrad statt 18 Zoll, sportlichere Geometrie, höhere Endgeschwindigkeit.
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Technik und Preis
Der Rahmen besteht aus lasergeschnittenem Aluminium in Luft- und Raumfahrtqualität, das 4-Gang-Schaltwerk kommt von Sturmey-Archer, einem Hersteller mit über 100 Jahren Erfahrung in Nabengetrieben. Das Gewicht liegt bei knapp 9,5 Kilogramm. Zugeklappt passt das Halfbike Pro in einen Kofferraum, sogar in einen kleinen, und nimmt im ÖPNV kaum Platz weg. Handmade in der EU, geliefert per DHL, mit einem Jahr Vollgarantie. Der aktuelle Listenpreis liegt bei 1.099 US-Dollar (rund 1.010 Euro), wobei aktuell eine Aktion mit 100 Dollar Rabatt plus kostenlosem Versand läuft. Aufbereitete Refurbished-Modelle sind ab etwa 899 Dollar erhältlich. Ein 30-tägiger Heimtest wird angeboten – das ist fair für ein Gerät, das man tatsächlich ausprobieren muss, bevor man es versteht.

Pro und Contra
Dafür spricht:
- Echtes Ganzkörper-Training: Beine, Core, Schultern und Gleichgewichtssinn werden simultan gefordert
- Kompakter als jedes Faltrad
- Kein Motor, keine Elektronik: wartungsarm und langlebig
- Lernkurve vorhanden, aber überwindbar – laut Nutzern in ein bis drei Stunden grundsätzlich fahrbar
- Das rote Punkt Design-Award-Niveau ist nicht übertrieben
Dagegen spricht:
- Enge Kurven und schnelle Ausweichmanöver bleiben auch geübten Fahrern eine Herausforderung
- Kein Alltagsersatz fürs Fahrrad – Steigungen und schlechtes Pflaster kosten überproportional Kraft
- Preis jenseits der 1.000-Euro-Marke für ein nicht-motorisiertes Fahrzeug ist eine echte Investition
- Straßenrechtlich eine Grauzone: Auf Radwegen geduldet, für den regulären Straßenverkehr nicht zugelassen

Einordnung: Wer kauft das?
Das Halfbike Pro ist kein Pendlerfahrzeug und kein Fahrradersatz. Es ist ein Trainingsgerät mit Fortbewegungsfunktion – ideal für sportlich aktive Menschen zwischen 30 und 55, die ihrem Ausdauertraining eine ungewöhnliche Komponente hinzufügen möchten. Läufer, die bei Verletzungen gelenkschonendes Cross-Training suchen, berichten von besonders guten Erfahrungen. Wer hingegen täglich 10 Kilometer Arbeitsweg zurücklegen will, ist mit einem guten E-Bike deutlich besser bedient.
Kaufempfehlung
Wer bereit ist, Zeit und Geld in ein echtes Nischenprodukt zu investieren, und sich nicht daran stört, auf Radwegen für Gesprächsstoff zu sorgen: kaufen. Die 30-Tage-Probefahrt macht das Risiko kalkulierbar. Allen anderen – vor allem eingefleischten Alltagsradlern – empfiehlt sich ein nüchterner Blick auf Alternativen wie das Kickbike oder ein Qualitäts-Faltrad im gleichen Preissegment. Das Halfbike Pro ist eine außergewöhnliche Maschine, aber eben nur für außergewöhnliche Nutzungsszenarien.
Zum Anbieter: halfbikes.com
