Das Amble One: zu gut für den Golf-Platz, zu langsam für die Autobahn

Es gibt Produkte, die man sofort versteht, und solche, bei denen man kurz innehalten muss. Das Amble One, ein straßenzugelassenes Elektrofahrzeug aus Portugal, gehört zur zweiten Sorte. Offen wie ein Buggy, legal wie ein Pkw, kleiner als ein Kleinwagen – und teurer als ein Twingo. Ob das Konzept aufgeht, hängt davon ab, wen man fragt.

Das Lissaboner Startup Amble hat sein erstes Fahrzeug am 25. Juni 2026 offiziell vorgestellt. Dahinter steckt ein ungewöhnliches Gründerquartett: José António Uva, Hotelier und Finanzunternehmer, hat die Idee entwickelt, weil er für sein Landgut São Lourenço do Barrocal kein geeignetes Gästefahrzeug fand. Ihm zur Seite stehen Julian Hoenig, ehemaliger Chefdesigner der Apple Watch und des Apple Vision Pro, der Kreativstratege Michael Tropper sowie Adrien Roose, Mitgründer des europäischen E-Bike-Unternehmens Cowboy. Das Team ist ungewöhnlich stark für ein so frühes Projekt – und das spiegelt sich im Design wider.
Das Fahrzeug: Das Amble One ist nach der EU-Norm L7e als schweres Vierradkleinkraftfahrzeug homologiert und damit auf öffentlichen Straßen zugelassen. Der 15-kW-Motor treibt die Hinterräder an und bringt das Fahrzeug auf maximal 65 km/h. Eine 12-kWh-Lithium-Ionen-Batterie soll mehr als 100 Kilometer Reichweite liefern und lädt über normale Haushaltssteckdose in rund 5,5 Stunden. Gewicht: 450 Kilogramm. Platz: vier Personen. Das Fahrwerk ist für unebenes Gelände ausgelegt, das Dach aus marinegradem Canvas ist wasserdicht, das Armaturenbrett betont physische Bedienelemente über Touchscreens – eine bewusste Entscheidung, die Fans einfacher Bedienung gefallen dürfte.
Der Kontext: Design Week und Wallpaper* beschreiben das Amble One als spirituellen Nachfolger des Citroën Méhari und des Mini Moke – jene leichten, offenen Fahrzeuge der 1960er Jahre, die an Mittelmeerküsten und karibischen Ressorts zur Ikone wurden. Was damals Benziner ohne Türen waren, könnte heute das Amble One sein: ein Fortbewegungsmittel, das sich nicht darum schert, schnell von A nach B zu kommen, sondern den Weg selbst zur Erfahrung machen will. Fast Company berichtet, dass Hoenig die Ästhetik des NASA-Mondrovers aus den 1960ern als Inspirationsquelle nennt – was sowohl charmant als auch etwas weit hergeholt klingt.

Pros: Das Fahrzeug füllt tatsächlich eine Lücke. Wer im Ferienresort, auf einem Weingut oder in einer autofreien Küstengemeinde vom Parkplatz zum Strand oder zum Restaurant kommen möchte, dem ist mit einem konventionellen Auto schlecht geholfen, ein Golf-Cart aber zu wenig. Das Amble One ist straßenzugelassen, kann Gepäck transportieren, sieht nicht nach Discountware aus und hat laut Hersteller eine Reichweite, die für diese Zwecke niemals zum Problem wird. Der modulare Aufbau – Sitze lassen sich zur Ladefläche umklappen, Zubehör werkzeuglos anschrauben – ist praktisch durchdacht. Erstkunden sind Luxusresorts wie Amangiri in Utah und Six Senses Loire Valley, was dem Produkt eine gewisse Glaubwürdigkeit im Premiumsegment verleiht.

Contras: 20.000 Euro netto (ca. 25.000 Dollar) ist für ein Fahrzeug ohne Türen, Heizung und Autobahntauglichkeit ein erheblicher Preis. Wer in Deutschland ganzjährig mobil sein will, ist damit schlicht falsch beraten. Das Amble One ist konzipiert für warme, trockene Klimazonen – daran lassen auch die Werksfotos keinen Zweifel. Außerdem: Die Lieferungen beginnen erst 2028, die Reservierungsphase für 2027 ist bereits geschlossen. Wer heute bestellt, wartet also mindestens zwei Jahre. Und der Hersteller weist selbst darauf hin, dass die gezeigten Fahrzeuge Vorserienmodelle sind, bei denen sich Details noch ändern können.

Für wen? Das Amble One ist kein Alltagsfahrzeug für Pendler und kein Zweitwagen für die Vorstadt. Es ist ein Nischenprodukt für Resortbetreiber, private Anwesen, Feriensiedlungen und wohlhabende Privatkunden, die zwischen Mai und Oktober in Südeuropa oder Küstenlagen leben. Für diese Zielgruppe ist es durchaus interessant.
Empfehlung: Wer in der beschriebenen Zielgruppe liegt, kann bedenkenlos eine Reservierung abgeben – 100 Euro Kaution, vollständig erstattbar, first come, first served. Für alle anderen: abwarten, bis Testberichte zu echten Serienfahrzeugen vorliegen. Das Konzept überzeugt, aber 20.000 Euro für ein Vorserienversprechen ist eine beträchtliche Wette.
Zum Anbieter: driveamble.com
