Vincent Decat: Lebendige Formen im Möbeldesign
Die „Living Series“ des Designers Vincent Decat verbindet funktionales Möbeldesign mit Formen, die an biologische Wachstumsprozesse und langsame Transformation erinnern. Im Mittelpunkt der Kunstobjekte steht die Idee, Möbel nicht als statische Gebrauchsgegenstände, sondern als sich wandelnde, beinahe lebendige Präsenzen im Raum zu verstehen.
Decat, ein in Paris arbeitender Craft Designer und Absolvent der Design Academy Eindhoven, erforscht seit mehreren Jahren gezielt die Schnittstelle von Design und Skulptur. Seine Arbeiten zeichnen sich durch organische Morphologien, starke Materialität und eine bewusst sichtbare handwerkliche Bearbeitung aus. Die „Living Series“ knüpft an frühere skulpturale Möbelserien wie „The Ruins of Delphi“ an, in denen er bereits historische und architektonische Bezüge in zeitgenössische Objektformen übersetzt.
Im Zentrum der neuen Serie stehen drei Objekte: der Stuhl „One Thing Led To Another“, der Beistelltisch „Came Uninvited“ und das Tablett „Stage One“. Alle drei abstrahieren biologische Prozesse, ohne diese wörtlich zu illustrieren, und bewegen sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Nutzobjekt und erzählerischer Skulptur.
„One Thing Led To Another“ ist ein skulpturaler Stuhl, dessen Form an eine mineralische Landschaft mit unregelmäßigen, felsartigen Konturen erinnert. Gedämpfte Grautöne werden von leuchtend orangefarbenen Bereichen überzogen, die wie eine langsam vordringende Kolonie wirken und Zyklen von Regeneration sowie das Zusammenwirken organischer und anorganischer Systeme andeuten. Die Konstruktion basiert auf einem Holz- und Metallgerüst, das mit Harz verstärkt und von Hand mit Acrylfarbe sowie Schutzlack veredelt wird.
Der Beistelltisch „Came Uninvited“ greift auf 3D-Druck zurück und thematisiert veränderte biologische Strukturen. Seine Gestalt lässt an ein bekanntes, doch transformiertes Lebewesen denken und spielt mit Assoziationen von Mutation und Umwelteinflüssen, ohne diese direkt abzubilden. Handbearbeitung mit Acrylfarbe und ein schützender Lack verstärken den Eindruck eines zugleich verletzlichen und widerstandsfähigen Organismus.
Das Tablett „Stage One“ schließlich nimmt embryonale Formen als Ausgangspunkt und setzt auf eine kompakte, sich entwickelnde Geometrie, die Wachstum über Zeit suggeriert. Es entsteht im 3D-Druck und wird in zwei Varianten angeboten: handbemalt mit Acrylfarbe oder mit Aluminiumauflage, die jeweils unterschiedliche materielle und lichtreflektierende Qualitäten betont.
Mit der „Living Series“ führt Vincent Decat seine Recherche zu lebendig wirkenden Objekten fort, die Nutzerinnen und Nutzer emotional wie haptisch langfristig binden sollen. Durch die Verbindung von digitalen Herstellungsverfahren, handwerklicher Nachbearbeitung und organisch anmutender Formensprache behaupten sich die Stücke als hybride Wesen zwischen Alltagstauglichkeit und poetischer Erzählung.
Zum Anbieter: vincentdecat.com