Ai Weiwei: „Aftershock“ – Die Ausstellung über Erdbeben, Trauma und Erinnerung in L’Aquila

Wenn Kunst auf kollektives Gedächtnis trifft, entsteht etwas, das über eine gewöhnliche Ausstellung hinausgeht. Genau das leistet „Aftershock“ von Ai Weiwei im MAXXI L’Aquila – eine Schau, die den Sichuan-Erdbeben von 2008 und das Erdbeben in den Abruzzen von 2009 in einen Dialog bringt und rund siebzig Werke versammelt, die politische, menschliche und materielle Brüche nachspürbar machen.

Die Ausstellung läuft vom 29. April bis zum 6. September 2026 und wurde von Tim Marlow, Direktor des Design Museum in London, kuratiert. Sie findet im Palazzo Ardinghelli statt, einem der bedeutendsten Beispiele für Wiederaufbau und Umnutzung nach dem Erdbeben, das L’Aquila 2009 verwüstete.
Gezeigt werden Installationen, Videos, Fotografien und Skulpturen, die Ai Weiweis fünf Jahrzehnte umspannendes Werk abbilden – von frühen Arbeiten in New York in den 1980er-Jahren bis hin zu neuen Skulpturen, die 2025 in der Ukraine entstanden sind.

Das Herzstück der Ausstellung bildet das Werk „Straight“ – eine Schlüsselarbeit Ai Weiweis, die aus Stahlstäben besteht, die aus eingestürzten Schulgebäuden des Sichuan-Erdbebens geborgen wurden, und die in L’Aquila erstmals in drei verschiedenen Räumen zu sehen ist. Im Außenbereich ergänzt eine Arbeit aus der Serie „Camouflage Nets“ das Ensemble, in der Tarnmuster neu interpretiert werden und Katzen als unschuldige Opfer menschlicher Konflikte sichtbar werden.
Ai Weiwei experimentiert, verbindet und recycelt auf eine Weise, die nie bloße Formübung bleibt – durch die Subversion traditioneller Werte lädt er dazu ein, die Welt aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Die Ausstellung richtet sich an alle, die Gegenwartskunst mit gesellschaftlichem Gewicht schätzen: Kunstinteressierte, Kulturreisende und Menschen, die sich mit den Themen Erinnerung, Wiederaufbau und politischer Verantwortung auseinandersetzen möchten. L’Aquila ist in diesem Jahr zudem Italiens Kulturhauptstadt – ein guter Zeitpunkt für einen Besuch.
„Aftershock“ ist kein leichtes Ausstellungserlebnis, aber ein nachhaltiges. Wer versteht, wie Kunst Wunden sichtbar machen kann, ohne sie zu glätten, findet hier einen der stärksten Belege dafür.
Zum Anbieter: maxxilaquila.art
