Morgan Midsummer Coupé: Der schönste Unsinn des Jahres

Morgan baut wieder ein Coupé. Nicht irgendeines, sondern eines dieser Autos, bei denen der Verstand höflich die Tür aufhält und dann draußen bleibt. Der Morgan Midsummer Coupé ist auf neun Kundenexemplare limitiert, dazu kommt ein Prototyp, den Morgan selbst als „artist’s proof“ versteht. Ein Serienmodell ist das nicht. Eher eine rollende Antwort auf die Frage, ob Coachbuilding im Jahr 2026 noch mehr sein kann als ein Wort für Prospekte und Sammlerabende.

Die Geschichte beginnt mit dem offenen Midsummer, den Morgan 2024 zusammen mit Pininfarina zeigte. 50 Stück, Barchetta-Form, handgeformtes Aluminium, viel Holz, kein Dach. Dann wollte ein Kunde genau dieses Auto, nur mit Wetterschutz. Daraus hätte ein plumper Hardtop-Aufsatz werden können. Zum Glück ist es das nicht geworden.
*Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Mehr erfahren
Der Coupé verändert den Midsummer stärker, als es der erste Blick vermuten lässt. Das Glasdach zieht sich wie eine Kuppel über die Kabine, geteilt von einer Edelstahlspange, die bis ins Heck läuft. Von hinten erinnert der Wagen entfernt an Morgans AeroMax, von der Seite eher an einen italienischen Gran Turismo, der versehentlich in Worcestershire zur Welt kam. Das ist sein größter Reiz: Er sieht nicht aus wie Retro um jeden Preis, sondern wie ein Morgan, der kurz in Turin studiert hat.

Technisch bleibt die Basis vertraut. Unter der handgeformten Aluminiumhaut steckt moderne Morgan-Architektur, dazu der BMW-Reihensechszylinder, der je nach Quelle mit rund 335 bis über 400 PS in Verbindung gebracht wird. Entscheidend ist hier aber nicht die Zehntelsekunde auf Tempo 100, sondern die Konstruktion: gefräste Aluminium-A-Säulen, verklebte Strukturverglasung, weiterhin ein tragender Eschenholzrahmen. Das feste Dach bringt mehr Steifigkeit, bessere Abdichtung, Klimatisierung und damit etwas, das Morgans oft nur eingeschränkt bieten: echte Reisetauglichkeit.

Die Stärken liegen klar auf der Hand: Der Morgan Midsummer Coupé ist seltener als viele Hypercars, handwerklich spannender als die meisten Luxus-Sondermodelle und formal eigenständig genug, um nicht als bloße Sammlerware zu enden. Die Schwächen ebenso: unbekannter Preis, kaum Verfügbarkeit, vermutlich sehr individuelle Bedienlogik und ein Nutzwert, der trotz Dach nicht mit einem Bentley Continental GT verwechselt werden sollte.

Kaufen? Ja, wenn man eingeladen wird, das Geld keine Hauptrolle spielt und man ein Auto sucht, das eher Auftragsporträt als Produkt ist. Nein, wenn man Performance, Garantiekomfort und Alltagstauglichkeit sauber gegen den Preis aufrechnet. Dann sind ein Morgan Supersport, ein gebrauchter Plus Six oder, in einer anderen Liga, ein Porsche 911 S/T die ehrlichere Wahl.
Der Morgan Midsummer Coupé ist also keine Empfehlung für viele. Er ist eine Empfehlung für sehr wenige – und genau deshalb wirkt er so überzeugend.
Zum Anbieter: morgan-motor.com
